Das Kleingedruckte, oft kaum lesbare, auf der Verpackung eines kosmetischen
Präparates ist die INCI-Liste (INCI= International Nomenclature of Cosmetic
Incredients).
Sie führt in der Regel neben pflegenden Fettstoffen sowie fett-
und wasserlöslichen Wirkstoffen zahlreiche weitere Inhaltsstoffe auf. Sie lassen
sich unter dem Begriff "Hilfsstoffe“ zusammenfassen.
Diese haben
vielfältige Funktionen. Sie ermöglichen unter anderem die Herstellung ganz
unterschiedlich aufgebauter Präparate wie Cremes, Gele, Pasten, Lotionen,
Lösungen, Lacke, Stifte, Pulver, Puder und Aerosole. Sie geben diesen Präparaten
ihre physikalische Langzeitstabilität für Transport und Lagerung, verhindern
ihre Verkeimung durch Schimmel, Hefen und Bakterien, erhöhen die chemische
Stabilität empfindlicher Wirkstoffe gegenüber Luftsauerstoff und beeinflussen
sensorische Eindrücke, wie Konsistenz, Verteilbarkeit auf der Haut, Geruch
(Duft) und Farbe.
Sie werden
naturgemäß zur eigentlichen Pflege der Haut nicht benötigt, können diesbezüglich
sogar belastend oder kontraproduktiv sein, aber - wie einige Beispiele
zeigen - auch synergetisch mit den Wirkstoffen.
Wasser
Der am meisten
verwendete Hilfsstoff ist das Wasser (INCI: Aqua), von den Kosmetikherstellern manchmal auch
liebevoll "Profitol" genannt, da es der weitaus preiswerteste Rohstoff ist.
Wasser ist einer der
wichtigsten Bestandteile in Emulsionen. Wasser dient in Verbindung mit Emulgatoren der
tröpfchenförmigen Verteilung von pflegenden Fettstoffen (O/W-Emulsionen) und
erleichtert so ganz wesentlich deren Applikation auf der Haut. Dies gilt auch
für W/O-Emulsionen, d. h. wenn sich umgekehrt Wassertröpfchen in der Fettphase
befinden. Das Verdunsten des Wassers wird sensorisch als angenehm kühlende
Wirkung wahrgenommen.
Daneben spielt Wasser
auch als Lösemittel für polare (hydrophile) Wirk- und Hilfsstoffe eine Rolle. In
Verbindung mit feuchtigkeitsbindenden Wirkstoffen führt der Wassergehalt der
Präparate nicht nur zu einer vorübergehenden, sondern auch zu einer länger
andauernden, messbaren Erhöhung der Hautfeuchte.
Konservierungsmittel
Präparate mit einer
Wasserphase (das sind fast alle) sind anfällig gegenüber Mikroorganismen
(Bakterien, Viren, Pilze), während wasserfreie Produkte praktisch nicht von
Keimen angegriffen werden. Daher müssen wasserhaltige Produkte konserviert
werden.
Die gegenwärtig
zugelassenen Konservierungsmittel sind in einem Anhang der Kosmetikverordnung (KVO)
aufgelistet. Sie haben den Vorteil, in sehr kleinen, Kosten sparenden
Konzentrationen angewandt werden zu können, besitzen jedoch – bei entsprechend
veranlagten Personen – praktisch alle ein allergenes Potenzial.
Alternativ zu
den klassischen Konservierungsmitteln (laut KVO) kann durch angemessene Konzentrationen von Alkohol
oder Feuchtigkeit bindender Stoffe wie z. B. Glycerin, Glykolen sowie
Zuckeraustauschstoffen vom Sorbitol-Typ eine ausreichende mikrobiologische
Stabilität erreicht werden.Diese Zusammensetzungen gelten als
konservierungsmittelfrei, insbesondere die letztgenannten sind aber
produktionstechnisch teurer und daher seltener anzutreffen. Alkohole haben
jedoch in
höheren Konzentrationen einen austrocknenden Effekt (!).
Hoch dosiert
angewendet kann es bei empfindlicher Haut zu einer Aufkonzentration der
Feuchtigkeitsbindenden Stoffe in der Haut kommen. Flächige Rötungen und Brennen,
das erst nach ein paar Tagen auftritt, ist ein Zeichen dafür.
Vorteil der genannten
Alternativen ist das Fehlen eines nennenswerten allergischen Potenzials.
Produkte, die in einem
Tiegel verkauft werden müssen stärker konserviert werden also solche, die in
einem Spender angeboten werden.
Derzeit sind ca. 50
gesetzlich zugelassene Konservierungsstoffe in Gebrauch.
Am häufigsten verwendet werden:
-
alle Formen der Paraben
(Methyl-, Ethyl-, Butyl- ...)
-
Imidazolidinyl Urea
(hat nichts mit dem guten Urea zu tun !)
-
Sorbinsäure
-
Benzoesäure
-
DMDM
Hydantoin
-
Phenoxyethanol
-
Sodium
(Natrium) Benzoate
-
Methyldibrome
Glutaronitril
Emulgatoren
Was die physikalische
Stabilität von Emulsionen anbelangt, sind Emulgatoren - oberflächenaktive
Stoffe, die Wasserphase und Fettphase miteinander verbinden - von Bedeutung.
Mengenmäßig stehen sie meist hinter dem Hilfsstoff Wasser und den pflegenden
Fettstoffen.
Auch hier ist bei
empfindlicher Haut mit einer Hautreizenden Nebenwirkung zu rechnen. Dies gilt
vor allem auch für die den Emulgatoren nahe verwandten Tenside, die in
Reinigungspräparaten eingesetzt werden. Die meisten der gegenwärtig verwendeten
Emulgatoren verändern sich nach dem Eindringen in die Haut nicht, d. h., sie
integrieren sich nicht in Physiologie der Haut. Die Folge ist insbesondere bei
der Anwendung eine Reaktivierung der Emulgatoren in der Haut, wenn diese mit
Wasser in Berührung kommt (verstärkt bei der Hautreinigung). Dies führt zu einem
schleichenden Verlust von teils hauteigenen Fettstoffen. Bei längerer Anwendung
entsprechend zusammengesetzter Cremes bekommt der Verwender den Eindruck, dass
seine Haut scheinbar trockener wird.
Hier eine kleine
Auswahl der
vielen Tenside:
Sulfate (z.B.) Sodium-Lauryl-Sulfat, Sodium-Laureth-Sulfat (Sodium=Natrium)
Phosphate, Stearate, Ethoxilate, Alkohole (z.B. Octyldodecanol), Monoglyceride,
Zuckertenside.
Eine Alternative zu
den konventionellen Emulgatoren stellen natürliche, Membran bildende Stoffe wie
Ceramide und Phosphatidylcholin (in Lecithin) dar. Sie bilden Strukturen,
ähnlich den Barriereschichten der Haut, aus.
Dadurch haben sie
nicht die oben genannten Nebenwirkungen und fügen sich nahtlos in die
Physiologie der Haut ein. Nachteilig für die Herstellung sind vergleichsweise
höhere Kosten, andererseits vereinen sie in sich vorteilhaft Hilfs- und
Wirkstoffeigenschaften.
Antioxidantien
Auch bei der Gruppe
der Antioxidanzien findet man gleichzeitig Hilfs- und Wirkstoffeigenschaften. So
schützen Vitamin C und E sowie deren Derivate empfindliche Inhaltsstoffe von
kosmetischen Präparaten vor Luftsauerstoff und freien Radikalen, andererseits
üben sie ihre spezifischen Wirkungen in der Haut aus.
Dagegen sind
synthetische phenolische Antioxidanzien, z. B. Butylhydroxytoluol (INCI: BHT),
als reine Hilfsstoffe einzustufen. Da einige Schwermetalle auch in sehr geringen
Spuren durch radikalbildende Wirkung das Ranzigwerden oxidationsempfindlicher
Naturstoffe beschleunigen, werden mit den eigentlichen Antioxidanzien
zusätzliche Komplexbildner, z. B. auf der Basis von Ethylendiamintetraessigsäure
(INCI: EDTA), Zitronensäure- und Phosphonsäuresalzen, kombiniert.
Schwermetallspuren, die bei der Öffnung eines Tiegels in das Produkt gelangen,
werden auf diese Weise inaktiviert.
Konsistenzgeber
Neben Emulgatoren, die
unter anderem auch die Konsistenz von Emulsionen beeinflussen, werden
zusätzliche spezielle Hilfsstoffe eingesetzt, um die Konsistenz der
Formulierungen einzustellen. Dabei kann es sich um verdickende Komponenten wie
z. B. Xanthan, Carrageenan, Alginate oder chemisch modifizierte
Celluloseverbindungen handeln. Sie bilden gelartige Strukturen aus, die mit
steigender Konzentration die wässrigen Lösungen und Emulsionen verfestigen.
Aufgrund der gut
reproduzierbaren Eigenschaften synthetischer Polymere haben sich Polyacrylate
durchgesetzt, die in der INCI meist durch die Bezeichnung Sodium Carbomer
erkennbar sind. Sie verbleiben nach dem Einziehen der Creme nahezu indifferent
an der Oberfläche der Haut.
Auf zuckerähnlichen
Strukturen aufgebaute Konsistenzgeber wie Xanthan beeinflussen die Hautfeuchte,
da sie Wasser binden können; gleichzeitig senkt der sich bildende unsichtbare
Film auf der Hautoberfläche den transepidermalen Wasserverlust. Auch die
Schleimstoffe der Aloe zeigen ein solches Verhalten. Die Grenzen zwischen
Hilfsstoff und Wirkstoff sind daher auch hier sehr fließend.
Eng verbunden mit der
Konsistenz ist die leichte Verteilbarkeit eines Präparates auf der Haut. Zu
diesem Zweck werden vielfach Hilfsstoffe eingesetzt, die so genannte spreitende
Eigenschaften haben. Darunter versteht man Stoffe, die sich mehr oder minder
selbstständig auf der Hautoberfläche ausbreiten können. Es handelt sich dabei um
synthetische Ester, wie z. B. Isopropylmyristat (IPM) oder Diisopropyladipat.
Der Vorteil der leichten Verteilbarkeit kann zum Nachteil werden, wenn es um
Bereiche geht, die nicht berührt werden sollen, wie z. B. die Schleimhaut der
Augen. Dort kann es dann zu unerwünschten Reaktionen kommen.
Duftstoffe in
kosmetischen Mitteln: Jetzt besser deklariert
Für die Akzeptanz
eines Präparates ist der Geruch oder Duft von Präparaten erfahrungsgemäß
besonders wichtig. Der letztendliche Duft eines Präparates setzt sich aus sehr
vielen unterschiedlichen chemischen Verbindungen zusammen, deren einzelne
Deklaration praktisch unmöglich ist.
Darunter befinden sich
durchweg niedrigmolekulare Verbindungen, die leicht in die Haut penetrieren.
Daher überrascht es nicht, dass Parfümöle heute die Hitliste der
Allergieauslöser anführen. Dermatologen empfehlen daher für besonders
empfindliche Haut unparfümierte Produkte.
Werden festgelegte
Konzentrationen überschritten, müssen sie auf der Verpackung eines kosmetischen
Mittels mit ihrer INCI-Bezeichnung angegeben werden, z. B. Anise alcohol, Benzyl
alcohol, Coumarin, Eugenol, Hydroxycitronellal, Limonene und Geraniol.
Weitere Infos finden
Sie bei Industrieverband Körperpflege und Waschmittel,
www.ikw.org
Broschüre Klarheit über ein ungetrübtes Duftvergnügen als
PDF-Dokument